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Frage Mechanische Stellwerke



Atlanta

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Moin Kollegen,

In meinem betrieblichen Wirken bei beiden deutschen Staatsbahnen vor der Zusammenführung als DB AG im Februar 1993, konnte ich nur gelegentlich und mit Hilfe befreundeter fdl mal in mechanische Stellwerke "hineinschnuppern".
Seitdem entwickelte sich das Interesse so nach und nach, mich eingehender damit zu befassen.
Dennoch sind mir die Signalordnungen jener Zeit, die ich für mein Modellbahnprojekt abbilden möchte bekannt aber an Hand der SO kann man noch nichts über die verwendete Technik lernen.

Mein spezielles Interesse liegt zwischen den Jahren 1904 und bis zum Jahr 1928 also noch vor der Einführung von Gleisperrsignalen.

Ziel ist es ein kleines modulares Modellbahnprojekt mit miniaturisierten aber voll funktionstüchtigen Stellwerken darzustellen. Also eine kleine eingleisige Hauptstrecke mit verschiedenen Betriebsstellen wie Blockstellen oder Bahnhöfe und andere Bahnstationen.

Setzen wir das Datum mal willkürlich auf das Jahr 1911 fest.

Bahnverwaltung ist die KPEV --> Königlich Preußische Eisenbahn Verwaltung.

Änderungen der SO - von 1910 sind noch nicht auf allen Stationen umgesetzt, das ist aber zum Betrieb der Stellwerke nicht von Bedeutung, ob nun ein oder zwei weitere Signalhebel für ein Signal bedient werden müssen.
Bevor aber doch Fragen dazu aufkommen, in der EBO heißte es:

"Signale der Gegenrichtung müssen die Ruhe Halt Position eines gesperrten Streckenabschnitts anzeigen."


Urheberschutz abgelaufen - Bild mit freundlicher Genehmigung der Stadtbibliothek zu Lübeck

Das Spitzensignal der Lok, steht auch im krassen Gegensatz der Allgemeinen Lehrmeinung, hierzu läßt sich aber die SO von 1904 ausgiebig dazu ein, ebenso die EBO jener Zeit.

Bei Zugfolgefahrten im verkürzten Abstand also mehrerer dicht hintereinander abgelassenen Züge in die selbe Richtung ohne Gegenzüge auf eingleisigen Bahnstrecken galt:
Erster oder jeweils nachfolgender Zug ist mit einer dritten grün abgeblendeten Laterne nach vorn kenntlich zu machen.
Letzter oder einzeln fahrender Zug ist mit drei weiß leuchtenden Laternen kenntlich zu machen.

Beim Fahren mit niedriger Geschwindigkeit, also beim Anfahren, Abbremsen und Rangieren ist die Glocke zu bedienen.

Wir schweifen ab...zurück zum Thema.

Mir ist sind die darzustellenden Stationsnamen erst einmal egal, das können irgendwelche sein.

Wie müßte die kleinste Art einer Blockstelle an eingleisiger Strecke also einem kleinen Bahnhof mit mindestens einer Weiche und einem parallelen Kreuzungs- oder Überholgleises ausgestattet sein?

Vor 1910 hatten Esig andere Nachtzeichen als Asig:
Esig:
Halt --> Rot
Ruhe Halt -> Blau
Fahrt frei --> Weiß
2. Flügel --> Weiß - Abzw. ü. 1 Weiche
3. Flügel --> Weiß - Abzw. ü. 2 o. mehr Weichen

Asig:
Halt --> Rot
Ruhe Halt --> Blau
Fahrt frei --> Grün
2. Flügel --> Grün - Abzw. ü. 1 Weiche
3. Flügel --> Grün - Abzw. ü. 2 o. mehr Weichen

Änderungen ab 1910:
Esig u. Asig:
Halt --> Rot
Ruhe Halt --> Blau
Fahrt frei --> Grün
2. Flügel --> Orange - Abzw. ü. 1 Weiche
3. Flügel --> Orange - Abzw. ü. 2 o. mehr Weichen

Blockstellen Bahnhöfe mit mindesten zwei Weichen im Hauptgleis und einem parallelem Gleis zur Überholung oder Kreuzung.
Vermutlich mit Schutzweichen, da es Gleissperren noch nicht gab?

Hier sind jetzt die Experten gefragt.
Wie müßte hierzu ein mechanisches Stellwerk ausgestattet sein bezüglich der Anzahl von Signal-, Weichen- u. Verriegelungshebel?
Wieviel Fahrstraßenhebel werden benötigt?
Wie sind die Signale zu kennzeichnen bzw. zu nummerieren?
In welcher Reihenfolge werden Weichen nummeriert?

Ich werde nicht darum herumkommen Fahrstraßenhebel und deren Register selber anzufertigen.

Pläne oder Fotos zum Nachbau wären hilfreich.

Ziel ist es, erst einmal mit einem einfachen Stellwerk zu beginnen.
Irgendwo muß man ja mal anfangen.

Je komplexer die Gleisanlagen, desto komplizierter die Technik...also erst einmal einfach beginnen und darauf aufbauen.

Ich bedanke mich vorab bei den Kollegen, die mir beratend zur Seite stehen wollen.

"Genießen Sie ihren Urlaub in vollen Zügen....Die Bahn!"

Schönen Gruß
Ingo
 

Atlanta

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Moin Kollegen,

noch ein kurzer Nachtrag des weiter oben gezeigten Bildes.

Dieses ist/war der alte Lübecker Bahnhof am Holstenplatz, der bis zur Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs im August 1908 der LBE als Stadtbahnhof diente.

Vom Standort des Fotografen ist ganz links eine Weiche zu erkennen die in ein viertes, paralleles Gleis führt, die Weichenzunge beginnt vor dem BÜ, der mit Vollschranken gesichert ist.
Auf der im 90° Winkel kreuzenden Fackenburger Allee befinden zwei elektrische 1100 mm Trambahngleise die die LBE Gleise im 90° Winkel durchkreuzen, ebenso auch das abzweigende Gleis durchkreuzen. Das Weichenherzstück befindet sich bei einem der Tramgleise zwischen beiden Fahrschienen.

Auf Grund dieser Besonderheit wagte sich bis jetzt noch Niemand an das Nachbilden dieser Straßenkreuzung.

Ein Modellbahner versuchte sich mal in der Baugröße Z im Maßstab 1:220 mit Spurweite 6,5 mm, ließ aber die Tramgleise weg. Bei seiner Umsetzung baute er einen zusätzlichen Inselbahnsteig für den es aber nicht den erforderlichen Platz und auch keine Stichhaltigen Beweise gab.

Unmittelbar hinter dem vierten sehr eng verlegten Parallelgleis befanden sich noch bis Anfang 1930 die Lübecker Wallanlagen die zusammen mit dem Abriß des nicht mehr genutzten Gebäudes der ehemaligen Bahnstation zum Zweck der Neugestaltung des Holstenplatzes abgetragen wurden.

Vor dem BÜ links befand sich eine offenes Stellwerk mit Hebelbank, vermutlich nur mit einfachem Wetterschutz.

Stellwerksgebäude, wie sie am neuen Hbf zu finden sind gab es an diesem Bahnhof nicht.

Der Rückbau nicht mehr genutzter Gleise erfolgte erst in der Neuzeit, wenn die "Altlasten" irgendwem im Weg waren.
 

Atlanta

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Moin Kollegen,

beim Studium historische Fotos und Unterlagen in Archiven, fallen einem unterschiedlichste Varianten von Signalen auf, die im Königreich Preußen Anwendung fanden und sich bis zu deren Austausch durch neuere Signale in den Jahren ab 1935 noch im standigen Gebrauch befanden.

Was alle Signale gemeinsam hatten, ganz egal ob die Flügel durchbrochen oder nicht war deren Stellung Halt - horizontal, Fahrt frei - diagonal aufwärts, Ruhe Halt - eingeklapt senkrecht nach unten. Bei mehrflügeligen Signalen konnte das nur der oberste Flügel. Der 2. oder 3. Flügel wurde von der diagonalen Aufwärtsposition zum Mast hin eingeklapt, wie bei heutigen Flügelsignalen auch, also vertikal nach oben zeigend.


Mitte oben zeigt ein Signal welches Flügel für beide Fahrtrichtungen hat, für Preußen nichts ungewöhnliches.
Das sichtbare Negativzeichen des Signals zeigt die Halt Position der Gegenrichtung an. In Blickrichtung des Signals sieht man das Positivzeichen in Ruhe Halt Position - Streckenabschnitt ab diesem Signal zur Einfahrt gesperrt - Ausfahrt aus diesem Abschnitt erlaubt.
Signale dieser Bauart hatten nur 1 Laterne die zur Beleuchtung der Lichtscheiben beider Flügel für beide Richtungen verwendet wurden.

Links sind weitere gängige Variationen von Signalflügeln zu sehen.

Rechts befinden sich Vorsignale oder Rangiersignale oder Abdrücksignale.
In der Signalordnung sind die wenigsten davon aufgeführt, deren Bedeutung läßt sich nicht eindeutig bestimmen. Vermutlich Fahrauftragssignale. Rotierende Signale welche um 90° gedreht wurden.
Das grüne Vorsignal unten weist Ähnlichkeiten zu heutigen Formvorsignalen auf, jedoch ist das grüne Nachtzeichen der sichtbaren Scheibe mit weißem Rand abweichend der heutigen Gepflogenheiten und bedeutet Halt erwarten. Die Fahrt frei erwarten Stellung zeigt ein weißes Licht und eine horizontal weggeklapte Scheibe.
Man braucht nicht explezit zu erwähnen, daß so schwerwiegende Unfälle vorprogrammiert waren.

Schönen Gruß
Ingo
 

Atlanta

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Moin Kollegen,


Kommen wir mal zu verschiedenen einfachen Bahnhofsformen.

Definition eines Bahnhofs:
Betriebsstelle bestehend aus mindestens einer Weiche und einem daran anschließenden Gleis, welches die Länge der auf dieser Strecke verkehrenden Züge mindestens aufnehmen kann.

Definition einer Blockstelle auf eingleisiger Strecke:
Ein Bahnhof oder eine Betriebstelle, die es ermöglicht kreuzende oder überholende Züge abfertigen zu können.

Es steht nirgends geschrieben, daß ein Bahnhof auch Bahnsteige haben muß oder sich innerhalb von Ortschaften befinden muß.

Beispiele für solche auf freier Strecke befindlichen Ausweichstellen gibt es genug, mir als stellwerkstechnischen Laien fallen da auch mehrere ein.

Fig. I zeigt die Minimalversion.
Gestrichelt dargestellt eine möglich Schutzweiche, benötigt man die überhaupt bei dieser Konstellation?

Fig. II zeigt eine einfache Blockstelle oder Station

Fig. III mit versetzten Ausweichtaschen, ermöglicht Begegnungen auch mit längeren Zügen.

Schönen Gruß
Ingo
 

Atlanta

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Ein paar weitergehende Überlegungen zum Gleisplan von Fig. III

Erstmalig bin ich über diese Konstellation der versetzten Ausweichtaschen in den Büchern der Ingenieurwissenschaften "Der Eisebahnbau" von 1892 gestoßen.

Es ging bei dem Kapitel um die Effizienz von Stationskapazitäten, auch verschieden lange Züge kreuzen oder überholen zu können.

Normalerweise war es sonst üblich mit Weichenharfen im Einfahr- und Ausfahrbereich zu arbeiten.
Bei größeren Zuglängen, z.B. Militärzügen oder Reisezügen sind die meisten Stationen in ihren Gleislängen zu kurz, außer in dem jeweiligen Hauptgleis.

Die MBO legt aber eindeutig fest, daß Militärzüge mit der doppelten Standardzuglänge verkehren dürfen, somit sind entsprechend längere Überholungs- und Kreuzungsgleise in verschiedenen Bahnstationen vorzusehen.

Nun ist aber Preußen auch dafür bekannt, überdurchschnittlich lange Gleisanlagen in den Bahnstationen zu haben. Bei anderen Bahnverwaltungen fallen aber Gütergleise mit über 1500 m Länge besonders auf.

Was macht man, wenn sich zwei längere Züge kreuzen wollen aber die Bahnhofsgleise in ihrer länge zukurz sind?

Zugteilungen könnten die Folge sein oder man verschiebt die ausweichenden Gleistaschen zueinander, wie in Fig. III zu sehen ist.
Man hat jetzt verschiedene Möglichkeiten, Züge unterzubringen oder Überholungen und Kreuzungen stattfinden zu lassen.
Trennt man im Hauptfahrweg die nittlere Gleisverbindung auf, so hat man die Möglichkeit, zwei längere Züge mit einander kreuzen zu lassen, wenn die Fahrwege von beiden Seiten über eine der Seitentaschen führen.


Schönen Gruß
Ingo
 
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