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Erinnerungen



liebe70

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Es wäre nett gewesen, wenn Du den Beitrag vorher etwas formatiert (Absätze gesetzt) und nochmals Korrektur gelesen hättest. So erschwert es das Lesen ungemein. :(
 

Bundesbahner1963

BF Neuling
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Ja ich weiß ich habe nachträglich noch einiges verändert aber manches fällt leider erst auf wenn man schon am Point of no Return vorbei ist. Ist der Inhalt wenigstens in Ordnung?
 

liebe70

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Inhaltlich ist es okay.
 

maulendesmammut

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Nachtzüge

Neulich machte ich mal wieder den Fehler, das unschlagbare Nachtreiseangebot der DB zu benutzen. Von Basel aus sollte es mit dem CNL nach Halle an der Saale gehen. Einige Tage vor der Fahrt überlegte ich, wie ich mein Reiseziel, Braunschweig, am sinnvollsten erreichen würde. Aufgrund der Zeit, zu der ich da sein sollte, erschien mir die Reise mit dem Nachtzug bis Halle und mit dem IC bis Braunschweig am sinnvollsten. In meinem Kopf schwirrten so alte Werbesprüche, wie es sie früher bei der DB mal gab: "Eine Nachtzugreise ist - eine traumhafte Idee." Lange ist das her, dass ich diesen Spruch das letzte mal gesehen habe. Heute ist der Nachtzug eh nicht mehr das, was er mal war. Dennoch, so eine Reise im Schlafwagen ist doch halbwegs annehmbar. Also los, im Internet Verbindung suchen, Schlafwagen wählen und buchen. Soweit die Theorie. In der Praxis auch kein Problem, nur kommt jedes Mal beim Buchen der Fehler "Beim Buchen ihres Nachtzuges ist ein Fehler aufgretreten, bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Also gut, kann passieren. Ich versuchte es eine Stunde später noch einmal. Und zwei Stunden später. Und drei Stunden später. Dann gab ich auf. Am nächsten Tag ging ich ins Reisezentrum in Basel. "Leider sind die Schlafwagen in dem Zug bereits ausgebucht," teilte mir der freundliche Herr am Schalter mit. Okay, das kann schonmal passieren. Schliesslich will ich die Reise in nur siebe Tagen antreten. Nun muss eine Alternative her. Ich entschied mich, im Liegewagen mit Viererbelegung zu buchen und direkt am Zug zu fragen, ob Chancen auf einen Platz im Schlafwagen bestehen. So buchte ich die Fahrkarte und ging wieder heim. Die Reise konnte beginnen.
Eine Woche später ging es dann los. Ein Kollege brachte mich noch zum Bahnhof in Riehen, von wo mich die S-Bahn zum Badischen Bahnhof in Basel brachte. Am Gleis studierte ich den Wagenstandsanzeiger und fand meinen Wagen im vorderen Teil des Bahnsteiges. Ich schlenderte ein wenig den Bahnsteig entlang. Weiter hinten im Zugteil nach Prag standen deutlich mehr Leute. Vielleicht hatte ich in Richtung Berlin ja noch Hoffnung, einen Schlafwagen zu ergattern. "Achtung an Gleis 4," erschallte die Durchsage am Bahnsteig, "Der CNL nach Halle fährt heute etwa fünf Minuten später ab." Etwas ungewöhnlich ist das ja schon, denn aus der Schweiz kommen Züge in der Regel pünktlich. Vielleicht hat man auch einfach die Zeiten schon so weit eingekürzt, dass der Lokführer in Basel SBB einfach nicht mehr genug Zeit hat, seinen Zug zu bespannen. Wundern würde mich das nicht. Dennoch, fünf Minuten bringen mich im Nachtzug nicht um.
Tatsächlich, fünf Minuten später als geplant fuhr der Zug dann ein. Etwas erstaunt sah ich, dass der Zugteil nach Berlin nur zwei einstöckige Schlafwagen mitführte. Kein Wunder, dass die schon Wochen vorher ausverkauft sind. Ich suchte mir gleich die freundliche Betreuerin des Schlafwagens, die mir aber keine Hoffnungen machen konnte. "Wochenendpendler, verstehen Sie?", erklärte sie mir.
Es ist halt, wie es ist. Und Liegewagen mit Viererbelegung ist immer noch besser als die grässlichen Sitzwagen. So suchte ich mein Abteil und richtete mir meine Liege ein. Da es noch hell war, ging ich noch einmal auf den Gang, um die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten.
"Früher," dachte ich, "da wäre ich jetzt in den Speisewagen an die Bar gegangen und hätte noch gemütlich ein Bier getrunken." Während draussen die Staatsgrenze nach Deutschland und Weil am Rhein vorbeizogen, liess ich mich ein wenig in den Erinnerungen gehen.

Ich erinnerte mich an meine erste Nachtzugreise. Es muss etwa 2008 gewesen sein, als ich mit dem CNL von München nach Hannover fuhr. Damals fuhren da noch Talgo-Garnituren. Ich habe mir den Luxus gegönnt, für 30 € die Kajüteliege zu belegen. Als ich den Zug so am Gleis stehen sah, war ich doch etwas skeptisch: Die Talgo-Garnituren sind ziemlich niedrig. Dennoch konnte ich irgendwie mit meinen 1,91 m Körperhöhe aufrecht im Wagen stehen. Ich streifte durch die geschwungenen Gänge, die immer links und rechts an einem Abteil vorbeiführten, bis ich meines fand. Es bestand aus zwei sehr komfortablen Sitzen, die sich mit zwei Handgriffen zu einer Liegefläche umfunktionieren lassen. Die zweite Liege war eingeklappt über dem Fenster und liess sich auch mit einem Handgriff umklappen und verwenden. Ein Vorhang trennte das "Abteil" vom Gang und zwei Schliessfächer boten sicheren Raum für Wertsachen - sofern man den Schlüssel auch sicher verwahren konnte. Zunächst einmal ging es auf Rundreise um München: Der nächte Halt war München Ost, wo einige Wagen vom Autoreisezug angehängt wurden, anschliessend fuhr der Zug weiter über den Nordring nach Augsburg. Dort stieg der zweite Fahrgast dazu und wir richteten unsere Schlafplätze her. Tatsächlich, mit einem einfachen Handgriff war meine obere Liege ausgeklappt und unten konnte man auf den Sitzen immer noch bequem sitzen. Die untere Liege war auch schnell und einfach hergerichtet und wir legten und schlafen. Als ich die Augen schloss merkte ich: Nichts. Der Zug rollte so sanft und leise dahin, dass ich mich fast fühlte, wie im heimischen Bett. Nur ab und zu war eine Kurve leicht zu spüren. Als ich geweckt wurde, musste ich mich erstmal orientieren. Ich hatte so gut geschlafen, dass ich gar nicht mehr gemerkt habe, dass ich im Zug war. In Hannover stieg ich aus und dachte mir: "Ja, eine Nachtzugreise IST eine traumhafte Idee..."

Draussen zog das Markgräfler Land vorbei. Eine junge Frau schob sich in mein Abteil, sie belegte die Liege über mir, die anderen zwei Liegen waren noch frei. Wir hielten ein bisschen Smalltalk, während der Zug durch den Katzenbergtunnel rollte und anschliessend widmete ich mich wieder der Aussicht über den Breisgau und auf den Schwarzwald.

Ich erinnerte mich, wie ich vor einigen Jahren nach Spanien wollte. Ich hatte eine Jugendreise nach Malaga gebucht, wollte aber nicht fliegen, sondern lieber mit dem Zug anreisen. Von Karlsruhe aus, wo ich damals wohnte, würde ich mit dem TGV nach Paris fahren, und dort den Nachtzug nach Madrid nehmen. Leider war der - selbst für einen Bahnmitarbeiter - unverschämt teuer, dass ich umsattelte und den TGV bis Hendaye anpeilte. Von dort würde ich zu Fuss über die Grenze gehen und in Irùn in einem Hostel nächtigen, bis am nächsten Tag mein Zug nach Madrid fährt. Von dort aus würde es dann nach Malaga weitergehen. Die Rückfahrt sollte über die andere Küste gehen: Von Madrid nach Barcelona und weiter nach Portbou. Von dort aus sollte es mit dem Nachtzug der SNCF nach Strasbourg gehen.
Leider konnte ich diese Reise nie antreten. Ein überteuertes Passfoto von der Autobahn sorgte für ein grösseres Loch in der Urlaubskasse, dass ich diese Reise streichen musste. Aber ich habe mir vorgenommen, eines Tages werde ich sie noch einmal in Angriff nehmen.

"Müllheim" las ich auf einem vorbeifliegenden Schild. So langsam überlegte ich mir, ob ich nicht doch mal ein Bier vom Abteilverkauf organisieren sollte.

Ich erinnerte mich, wie ich vor einigen Jahren wieder mit dem Nachtzug fuhr. Diesmal nicht in einem Talgo, sondern in einem konventionellen Wagenzug. Ich habe mir "nur" die Secherbelegung im Liegewagen geleistet. Von Kalrsruhe ging es nach Hannover. Da ich gerade von der Arbeit kam, wollte ich nicht direkt ins Bett, sondern ging erstmal in den Speisewagen. Am Tresen bestellte ich mir ein Bier und hielt ein wenig Smalltalk mit der Bedienung und einem Mitreisenden. Es war ein schönes Ambiente, von oben strahlte der simulierte Sternenhimmel und das leicht abgedunkelte Licht liess eine angenehme Nachtstimmung aufkommen. Nach dem Bier ging ich dann mein Abteil suchen. Ich merkte schon, die Reise wird wohl nicht so ruhig, wie ich es von den Talgo gewohnt war, schon beim gehen merkte ich, wie die Wagen schaukelten. In meinem Abteil war ich der letzte. Möglichst leise, um niemanden zu wecken, richtete ich meine Liege ein und legte mich schlafen. Aber schlafen konnte ich nicht so richtig. Das Schaukeln des Wagens war zwar recht angenehm, aber die Klimaanlage blies eine recht frische Luft ins Abteil und die Tür klapperte. Dennoch konnte ich zwischendurch mal wenigstens für eine halbe Stunde durchgehend die Augen schliessen und versuchte die Fahrt zu geniessen. In Hannover angekommen fühlte ich mich auf dem Bahnsteig wie frisch verprügelt. Selten tat eine Dusche am Morgen so gut, wie an diesem.

"Ich will mich doch hier nicht betrinken," rief ich meine Gedanken zur Ordnung. Ein Bier bei gutem Ambiente mit netten Mitreisenden am Tresen hätte ich gerne genossen, aber so... Nein, auf das Bier würde ich heute verzichten.

Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich erinnerte mich, wie ich vor einigen Jahren zufällig ein günstiges Angebot für ein Schweden-Spezial nach Stockholm fand. Sofort war die Idee wieder präsent, die ich schon länger hegte: eine mehrtägige Rundreise durch Skandinavien. Aber die wollte ich nicht alleine machen. Aber ich fand jemanden, der diesen Wahnsinn mit mir durchstehen würde und begann, die Strecken zusammenzubuchen. Es war Herbst, als wir die Reise antraten. Am Abend fuhr ich nach Basel zum Badischen Bahnhof, um den Nachtzug nach Hamburg zu nehmen. Ich hatte wieder Sechserbelegung gebucht, für die Viererbelegung war ich etwas zu geizig, obwohl der Fahrpreis mit 65 € inkl. Reservierung von Basel bis Stockholm schon unschlagbar billig war. Auch hier genoss ich mein - mittlerweile zur Tradition gewordenes - Bier am Tresen. Anschliessend ging ich ins Abteil zum Schlafen. In Freiburg wurde mein Abteil dann voll und ich konnte halbwegs entspannt die Augen schliessen. So langsam hat man sich doch an den sparsamen Komfort in den Nachtzügen gewöhnt. Aber wirklich ausgeschlafen war ich in Hamburg nicht. So quälte ich mich über den Bahnhof, kaufte mir ein Kaffee und ein Brötchen zum Frühstück und wartete auf meine Reisebegleitung. Gemeinsam fuhren wir mit dem ICE bis Kopenhagen und weiter mit dem X2000 nach Stockholm. In der Altstadt genossen wir gemütlich unser Abendessen, bevor wir mit dem schwedischen Nachtzug bis Östersund fuhren. Wir waren sehr gespannt, was uns erwarten würde. Die Fahrkarte von Stockholm bis Trondheim haben wir im Schlafwagen für einen unschlagbar günstigen Preis bekommen und waren gespannt, was die Schweden da zu bieten hatten. Der Zug rollte ein und nach dem Einsteigen schauten wir uns von den Einheimischen erstmal die Praxis an, wie man in sein Abteil kommt. Denn dieses war verschlossen. Es stellte sich raus, dass jedes Abteil mit einer Schlüsselkarte geöffnet werden kann, allerdings war unser Abteil bereits belegt, daher steckte die Karte von aussen nicht mehr. Ein vorsichtiges Klopfen genügte aber, dass uns die Tür geöffnet wurde. Leider gab es in unserem Wagen weder Wasser noch Klimaanlage oder Lüfgung und das offene Fenster erzeugte ungeheuren Lärm. So wurde es halt etwas warm, aber das konnte uns nicht schocken. Die grosse Überraschung kam dann, als wir unsere Betten herrichteten: Betten, die ihren Namen wirklich verdient hatten. Liegen, wie auf Omas Schoss. Mit richtigen Decken und Kissen und einer sehr bequemen Matratze. Da konnten wir auch über die kaputte Lüftung hinwegsehen und konnten sogar einige Stunden schlafen, bis der Zug in Östersund ankam. Leider war im Wagen auch die Dusche kaputt und wir waren etwas skeptisch, wann wir wieder eine Dusche finden würden. Aber wir waren zuversichtlich, dass wir in der nächsten Nacht im Nachtzug duschen konnten. So verliessen wir den Zug in Östersund und nutzten die zwei Stunden, um ein wenig die Stadt zu erkunden. Viel gab es leider nicht zu sehen, denn morgens um sieben schlafen die Schweden noch. Selbst die Bäckereien machten nicht vor neun Uhr auf. So kehrten wir bald wieder zum Bahnhof zurück, wo ein kleiner Kiosk scheinbar ausschliesslich von Umsteigenden lebte, die aus Stockholm kamen, weiter nach Trondheim wollten und dort ihren Kaffe besorgten. Dort konnten wir uns zumindest ein kleines Frühstück gönnen. Mit Nahverkehrszügen ging es dann weiter zunächst bis an die norwegische Grenze, wo die Fahrleitung endet und wir einmal umsteigen mussten, um nach Trondheim zu gelangen. Dort genossen wir einen Tag Aufenthalt, bevor gegen 23 Uhr uns ein Nachtzug nach Fauske in Nordnorwegen bringen sollte. Von dort würde uns ein Bus weiter nach Narvik bringen. Der Bahnhof Trondheim war damals eine Grossbaustelle, es waren nur zwei Gleise mit Bahnsteig befahrbar, weshalb der Zug erst kurz vor Knapp bereitgestellt wurde. Wir suchten unmittelbar den Zugführer auf, denn wir hatten bei der Buchung angegeben, dass wir die Fahrkarten im Zug abholen würden. Dieser schickte uns allerdings wieder zum Fahrkartenschalter, wo wir tatsächlich unsere Fahrkarten bekamen. "Fast wie in Deutschland," dachten wir uns und ahnten nicht, wie recht wir damit hatten. Im Zug stellten wir zunächst fest, dass die Schlafwagen keine Duschen hatten. Dazu waren die Abteile ziemlich eng und wir mussten jeweils einzeln unser Gepäck verstauen, damit wir nicht aneinanderstiessen. Mit dem Schwedischen Komfort konnten diese Schlafwagen nicht mithalten. Sie glichen eher Massentransportmitteln. Es war schon fast ein Wunder, dass es Abteile gab und kein Massenlager. Das winzige Fenster im Abteil war dabei noch so unglücklich angeordnet, dass man nach draussen fast nichts sah. So hielten wir uns nicht lange auf und legten uns schlafen. Die Betten waren auch deutlich unbequemer als bei den Schweden. Die NSB scheint wohl von der DB gelernt zu haben... Am nächsten Morgen wachte ich auf und schaute aus dem Fester. Mo i Rana stand auf den Schildern des Bahnhofs, den wir gerade erreichten. Ich nahm unsere Reiseunterlagen und verglich die Zeit. Eine Dreiviertelstunde Verspätung. So würden wir den Bus nicht mehr erreichen. Ich stand auf, gönnte mir wenigstens eine Deodusche und ging in den Speisewagen, wo gleichzeitig die Rezeption für den Zug war. Den Betreuer fragte ich gleich aus, ob wir denn den Bus noch erreichen würden. Er machte uns allerdings wenig Hoffnung: Die Buslinie ging über eine Fährstrecke. In der Nebensaison fährt die Fähre aber so selten, dass der Bus sie nicht verpassen darf. Also gut. Resigniert fragte ich, ob wir dann wenigstens bis Bodø mitfahren dürften, um nicht irgendwo auf einem verlassenen Dorf 5 Stunden auf den nächsten Bus warten zu müssen, was der Betreuer - zu meinem Erstaunen - erlaubte. So ging ich zurück, informierte meine Begleitung und wir gingen gemütlich zum Frühstück. Das Essen war sogar noch schlimmer, als ich es von der DB gewohnt war. Irgendwie war mir die NSB von Anfang bis Ende unsympatisch. In Bodø hatten wir Glück: wir konnten einigermassen Günstig ein Auto mieten, mit dem wir selbst nach Narvik fuhren. Dort hatten wir eine kleine Herberge, wo wir abstiegen und erstmals wieder eine Dusche geniessen konnten. Am nächsten Tag ging es weiter nach Boden, wo wir wieder in den Nachtzug der SJ nach Göteborg stiegen. Diesmal funktionierten im Wagen auch Wasser und Klimaanlage und ich kam erstmals in den Genuss, in einem fahrenden Zug zu duschen. Das ist schon eine sehr interessante Angelegenheit, wenn man da nicht umfallen oder ausrutschen will. Da der Abend noch jung war, beschlossen wir, im Speisewagen noch zu Abend zu essen. Es lagen einige Gerichte in der Auslage, alles abgepackte Fertiggerichte. Dennoch sah das Rentierragout recht lecker aus und ich wagte es, dieses zu probieren, auch wenn es nur in der Mikrowelle aufgewärmt wurde. Und ich war überwältigt: Es schmeckte hervorragend. Zartes Fleisch, die Sauce gut gewürzt und die Preiselbeeren dazu schmeckten frisch. Das hätte ich einem Fertiggericht nie zugetraut. Dazu gab es noch ein paar Dosen Starköl (Bier), bevor es ins Bett ging. Dieses mal war der Komfort wirklich kaum zu toppen. Gemütliche Betten in einem angenehm klimatisierten Raum und ein sanftes Schaukeln des Wagens, der einen scheinbar in den Schlaf wiegen will. So erreichten wir Göteborg am nächsten Vormittag hervorragend ausgeruht. Leider musste die Stadtbesichtigung von Göteborg ausfallen: Ein Sturm hatte den Bahnverkehr in Dänemark fast vollständig zum erliegen gebracht und der Nachtzug nach Basel fiel zwischen Kopenhagen und Hamburg aus. Daher entschied ich mich, den nächsten Zug nach Göteborg zu nehmen, um den letzten ICE nach Hamburg zu erreichen. Auch wenn ich dort vier Stunden Aufenthalt hatte, war es angenehmer, als tief in der Nacht mit dem Bus dieselbe Strecke zurückzulegen. Kaum war ich wieder in Deutschland, machte man mir sofort klar, wo ich bin. So kam der Nachtzug, der in Hamburg um 0:30 fahren sollte (anstatt um 18 Uhr ab Kopenhagen) erst eine Stunde später - ohne jegliche brauchbare Ankündigung. Etwas genervt bezog ich mein Abteil, dass ich dieses mal in Viererbelegung gebucht hatte, legte mich auf die Liege und war gleich wieder daran erinnert, dass ich zurück in Deutschland bin. Die Liege war bretthart, die Abteiltür schloss nicht richtig und die Klimaanlage war nicht regulierbar. Irgendwie schaffte ich es aber doch, ein wenig zu schlafen und kam mit nur 10 Minuten Verspätung in Basel an. Und freute mich auf mein eigenes Bett, denn schlafen konnte ich in der Nacht nicht.

Langsam wurde es draussen dunkel. Der Zug hielt in Freiburg, wo viele Studenten zustiegen, die aus der Heimat an die Uni, zumeist nach Berlin, pendelten. Ein junger Amerikaner kam in mein Abteil und sah etwas suchend aus. Ich fragte, ob man ihm helfen könnte. Er fragte darauf, ob das wie das sein kann, dass eine Frau in seinem Abteil schläft, in Amerika würde es sowas nicht geben. Ich erklärte ihm, in Deutschland ist dies normal und völlig in Ordnung. So zog er von dannen und liess mich etwas erstaunt über die Amerikaner zurück, die sich doch sonst nicht so prüde geben. Mit seinem breit gepackten Rucksack sorgte er dafür, dass meine Gedanken wieder den Zug verliessen.

Ich erinnerte mich, wie ich vor einiger Zeit in Schottland wandern gegangen bin. Da Anfangs- und Endpunkt der Wanderung nur schlecht mit dem Flugzeug erreichbar waren, fuhr ich mit einem Freund mit dem Zug nach Schottland. Der ICE brachte uns zuverlässig mit 20 Minuten Verspätung bis Brüssel und der Eurostar weiter bis London. Nach einer abendlichen Pizza begaben wir uns zur Euston Station, wo unser Nachtzug nach Glasgow abfahren sollte. Dort würden wir für die Weiterfahrt nach Fort William einmal umsteigen, das war billiger, als den Nachtzug direkt nach Fort William zu nehmen. Etwas gespannt warteten wir auf unseren Zug. Da das Lichtraumprofil in Grossbritannien etwas schmaler ist, waren wir gespannt, wie die Nachtzüge das kompensieren, ohne dass man beim Schlafen die Füsse einziehen muss. Als der Zug am Bahnsteig stand, wurde uns klar, wie das gemacht wurde: Der Seitengang vor den Abteilen war einige Zentimeter schmaler, dass ich trotz meiner schlanken Figur kaum durchpasste. Mein Begleiter hatte an seinem Rucksack soviel seitlichen Überhang, dass er ihn absetzen und quer hinter sich her schleifen musste, um überhaupt zum Abteil zu kommen. Aber das Abteil konnte mit seinem Komfort absolut überzeugen. Zwei gemütliche Betten warteten auf uns. Wir entschieden uns aber, zunächst in der Lounge Platz zu nehmen, wo wir noch einen Whisky geniessen wollten. Und wir waren begeistert: Die Lounge war ausgestattet mit gemütlichen Sofas an den Wänden und kleinen Tischen dazwischen. Sie bildete eine Hälfte des Speisewagens. Die andere Hälfte wurden von der Galley und ein paar wenigen Esstischen beansprucht. Den Whisky gab es in kleinen 0,2 l-Fläschchen, eine sogar stilecht mit einem winzigen Korken verkorkt. In so angenehmen Ambiente schmeckte der Whisky gleich noch besser. Anschliessend gingen wir schlafen, denn die Fahrt war mit ca. 6 Stunden recht kurz und wir wollten vor der Wanderung doch noch etwas Schlaf bekommen. Wir erreichten Glasgow akkurat pünktlich und genossen in einer altbekannten Wirtschaft ein hervorragendes Frühstück, bevor es weiter nach Fort William ging. Die Rückreise traten wir von Inverness aus mit dem Nachtzug direkt nach London an. Die frühe Abfahrt in Inverness ermöglichte uns noch, einen sehr leckeren Burger zum Abendessen im Speisewagen zu verdrücken und ein paar Flaschen Whisky zu köpfen. Anschliessend gingen wir schlafen und waren nach der langen Wanderung in dem bequemen Bett auch sofort eingeschlafen. London erreichten wir wieder absolut pünktlich und konnten noch ein bisschen Sightseeing machen, bevor uns der Eurostar zurück nach Brüssel brachte.

Langsam wurde es spät. Ich hielt noch ein bisschen Smalltalk mit den Mitreisenden im Abteil und legte mich hin. Bequem war dennoch anders. Ich malte mir wieder die gemütlichen Betten in den schwedischen und britischen Schlafwagen aus. Es ärgerte mich, dass man diese in Deutschland mittlerweile Wochen vorher buchen muss, um da überhaupt noch einen Platz zu bekommen. So wältzte ich mich hin und her, immer wieder wurde ich wach, die Abteiltür klapperte, die Lüftung pustete eiskalte Luft in das Abteil und endlich in Halle angekommen fühlte ich mich wieder einmal wie erschlagen. Traurig über das, was aus den deutschen Nachtzügen mittlerweile geworden ist, verliess ich den Bahnsteig und stieg in den IC, der mich nach Braunschweig bringen sollte. Ich sah dem Nachtzug noch bei der Ausfahrt nach. Irgendwann, dachte ich mir, werde ich doch noch einmal den Schlafwagen im deutschen Nachtzug testen. Aber ich fürchte, Qualität gibt es auch dort nicht mehr.
 

sbb.lokmaster

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Schwarzwaldbahnchef

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Das Grauen hat einen Namen....... Liegewagen, aber das schon immer!
 

Bundesbahner1963

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Ja ich weiß lang ist's her doch nun Teil 2

Rangierdienst

Der Wecker piept: 2:00 Uhr. Liegen bleiben oder aufstehen? Ich entscheide mich aufzustehen. Draußen ist es noch stockfinster. Klar im Februar kein Wunder. Ich ziehe mich (warm) an und mache mir leise Frühstück. Um 3:00 stehe ich im Bundesbahn Wintermantel und Stiefeln in denen ich 3 Paar Wollsocken trage an der Straße und warte auf den Rest unserer Truppe. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchen die auch tatsächlich auf. Rein ins warme Auto und los geht's. Gegen 4:00 erreichen wir das ehemalige Bw Kranichstein, dass heute das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein beherbergt. Erste Anlaufstelle, wer hätte es gedacht, die Kantine. Kaffee kochen und wer "darf" das machen? Na klar der Praktikant. Nachdem jeder halbwegs wach ist geht's an die Lok, auf der es natürlich arschkalt ist. Aber wozu hat man den Wintermantel erfunden? Während irgendwer die Papiere holt machen wir schon mal die Lok startklar. Gegen 5:00 Uhr melden wir uns beim Fahrdienstleiter fertig und rücken aus. Wie üblich: erst ins Ausziehgleis dann in den Rangierbahnhof und schließlich auf die Strecke. In Darmstadt Nord stehen ein paar Pendler und Leute die am Tag zuvor zu lange gefeiert haben. Alle sehen mindestens genauso müde aus wie wir. Wir umfahren Darmstadt Hauptbahnhof über die Güterstrecke zwischen Darmstadt Nord und dem Abzweig Bergschneise. Stockschneise haben wir bereits hinter uns gelassen. Ein Güterzug kommt uns entgegen. Wir rollen weiter in den dunklen, kalten Februarmorgen. In Weiterstadt kreuzen wir die RB 75 in Richtung Aschaffenburg. Zwischen Weiterstadt und Klein Gerau sind wir allein auf der Strecke. Hinter Klein-Gerau geht es erst ins Gegengleis und dann auf die Verbindungskurve zwischen der Main-Rhein-Bahn und der Riedbahn. Kaum zu glauben dass etwa 800m Gleis eine etwa 16 Kilometer lang Eisenbahnstrecke überflüssig gemacht haben. (Früher führte die Riedbahn von Darmstadt über Griesheim nach (damals noch Goddelau-Erfelden) Riedstadt Goddelau. Allerdings wurde dann die Umgehungsstraße um Griesheim gebaut und damit hätte man 2 Bahnübergänge neu bauen müssen. Man entschied also dass man eine Verbingskurve von der Main-Rhein-Bahn auf die Riedbahn von Frankfurt nach Mannheim billiger und lohnender sei. Das Stück zwischen Darmstadt und Goddelau-Erfelden wurde stillgelegt umd abgebaut). In Groß-Gerau Dornberg ist auch nichts los und wir kommen in einem Rutsch bis nach Riedstadt Goddelau. Im Bahnhof angekommen sehen wir erst einmal die Wagenliste durch: es sind "nur" 14 Wagen zu entladen. Das kann man in 2 Schüben erledigen. Wir nehmen direkt die ersten 7 Wagen mit und ziehen sie erst ins Ausziehgleis und drücken sie zurück in den Gleisanschluss. Für uns ist die Arbeit vorerst getan und wir rüsten die Lok ab. Ich beschließe mir die Entladung anzusehen. Man hat ja sonst nichts zu tun. Nach knapp 2,5 Stunden sind die Wagen entladen und wir können die Wagen ins Anschlussgleis zurückziehen und in das Parallelgleis des Zuges drücken. Wir holen die nächsten 7 Wagen und rangieren diese in den Gleisanschluss. Allerdings fahren wir sofort ins Ausziehgleis zurück und holen uns die 7 Wagen vom ersten Arbeitsgang. Diese kommen an den restlichen Zug der aus leeren Autotransportwagen besteht die zu den BMW nach München-Milbertshofen sollen. Auch das ist schnell erledigt und wir stellen uns wieder in den Gleisanschluss. Jetzt wird erst einmal gefrühstückt. Zum Glück ist das Führerpult groß genug. Nach nur 1,5 Stunden sind auch die Wagen fertig entladen und wir bringen sie zu den restlichen Wagen an den Zug. Eigentlich könnten wir jetzt Feierabend machen und zurück nach Kranichstein fahren, doch durch den Fahrdienstleiter erfahren wir, dass in mindestens einer Stunde wieder eine Lücke frei wird die groß genug ist um andere Züge nicht auszubremsen. Wir warten also. Nach einer halben Stunde meldet sich die "Lokleitung": Ob wir eine V 60 der Pfalzbahn mit nach Kranichstein nehmen könnten. Wir können. Flugs werden von irgendwo her Fahrplan und Bremszettel gezaubert. 10 Minuten später landet eine 218 der Pfalzbahn mit besagter V 60 in Riedstadt. Wir nehmen die V 60 an den Haken und eine Viertelstunde später geht es zurück in die Heimat. Diese erreichen wir um punkt 11:00. Lok abrüsten und ab geht's nach Hause. Endlich!
Ende!

Grüße aus dem sonnigen Süden. Bundesbahner
 

olso001

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„Und alle essen Bockwurst“ - 100 Jahre Mitropa

Es gab Zeiten, da war eine Reise ohne sie kaum denkbar: die Mitropa. Ein Streifzug durch 100 Jahre Geschichte - in dem neben Angela Merkel auch das schöne Wort Donaudampfschifffahrtsgesellschaft auftaucht.
Grüner, brauner, blauer Rand, Tasse, Kännchen, Zuckerzange: Die Mitropa ist überall. Besser gesagt: Das Geschirr, mit dem die Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen AG (Mitropa) jahrzehntelang Kaffee und Hackbraten servierte. Im Internet handeln Sammler mit den Keramikschätzen von einst - denn die Mitropa selbst ist längt untergegangen. 100 Jahre nach ihrer Gründung bleibt von dem Konzern, der mal Zehntausende Beschäftigte hatte, nur die Erinnerung: an Rinderrouladen im Speisewagen, an die Trockenhaube beim Bahnhofsfriseur und Nächte in Mitropa-Hotels an Flughäfen und Autobahnen.

Heute sagt kaum noch jemand „Speisewagen“, die Deutsche Bahn spricht von „Bordrestaurants“ und „Bordbistros“. Sein Nachtzug-Geschäft gibt der Bundeskonzern jetzt ab, doch immerhin: Inzwischen besinnt sich die Deutsche Bahn wieder der Bedeutung des Essens auf Rädern. So wie vor 100 Jahren wird es aber nicht mehr werden.
Quelle: [DLMURL="http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Und-alle-essen-Bockwurst-100-Jahre-Mitropa"]LVZ[/DLMURL]
 


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