• Wenn dies Ihr erster Besuch hier ist, lesen Sie bitte zuerst die Hilfe - Häufig gestellte Fragen durch. Sie müssen sich vermutlich registrieren, bevor Sie Beiträge verfassen können. Klicken Sie oben auf 'Registrieren', um den Registrierungsprozess zu starten. Sie können auch jetzt schon Beiträge lesen. Suchen Sie sich einfach das Forum aus, das Sie am meisten interessiert.

Die Leere nach dem Aufprall



SSH-Eib09

BF Hauptassistent
Mitglied seit
30 Mai 2009
Beiträge
367
Punkte
63
Arbeitgeber
DB
Einsatzstelle
Regio
Beruf
Lokführer
Servus Kollegen,

dann schildere ich mal kurz meinen PU.

Am Dienstag, den 13.05.2014 habe ich eine Spätschicht absolviert.
Schichtinhalt: Gastfahrt von Siegen nach Köln Messe/Deutz, BR 628 aufrüsten -> Lz nach KDA (Düsseldorf Abstellbahnhof) und dort einen fertigen
628 Lz wieder mitnehmen nach Köln-Deutz und dann Gastfahrt nach Siegen.

Die Route auf der Rückfahrt führte mich über Neuss/Dormagen nach Köln.
Es war 23.37 Uhr als ich mit meinem 628 (HG 120 Km/h) das durchgehende Hauptgleis in Dormagen richtung Köln befahren habe,
als ich ca. 50 m vorher einen Mann auf meinen Gleis stehen sah.
Er stand seitlich zum Bahnsteig, die Hände auf dem Bahnsteig und die Füße auf der rechten Schiene und guckte zu mir.

Ich leitete eine Schnellbremsung ein und dann boom.....kurzschluss (alle LSS geflogen) da er das Steuerkabel auch noch abgerissen hatte.
In der Ausbildung lernt man, Ohren zuhalten und Augen zumachen....beides natürlich nicht eingehalten.

Obwohl es eine zweigleisige Strecke ist, habe ich nur die Fahrdienstleiterin in Dormagen informiert, die alle weiteren Maßnahmen eingeleitet hat.
Ich war unter Schock, hatte aber in der Dunkelheit auch ein wenig Angst (allein im Triebwagen) und habe der Fdl gebeten am Telefon zu bleiben.

Nebenher habe ich per Whatsapp meine Freundin benachrichtigt, dass ich später nachhause komme.

Nach ca. 20 Minuten habe ich Blaulicht gesehen und das Martinshorn gehört.
Ich stand auch beschissen.....rechts wahr ,,Wald"/ Gebüsch und links war eine Schallschutzwand bzw. weitere Gleise zum Abstellen der Chemiewerke.

Taschenlampen kamen auf mich zu, ich gab die Türen frei und Sanitäter sowie zwei Bundespolizisten kamen in den Zug.
Kurz die Personalien abgeschrieben und dann über die ganzen Gleise sofort von den Sanitätern in den Rettungswagen gebracht.

Überall Scheinwerfer / Blaulicht / Flutlicht und eine Menge interessierter Anwohner......ein Großeinsatz!

Es waren Sanitäter der Berufsfeuerwehr Dormagen, sehr nett und haben natürlich über Gott und die Welt geredet um mich abzulenken.

Nach einer Zeit ging es dann in das Krankenhaus nach Dormagen, ab indie Notaufnahme und dann in ein ,,Behandlungsraum".
Es kam eine Assistenzärztin die zu mir sagte ,,ich weiß nicht was ich mit Ihnen machen soll" -> brauchen Sie Beruhigungstabletten oder sowas?

Nein!!!

Weitere Zeit verging....es stellte sich erst später heraus....die Leitstelle Köln hatte eine Liste von Notbetreuern.....ging der erste nicht dran, wurde der zweite angerufen usw......
Mein Betreuer war ,,im Urlaub" in Dortmund, wurde aus dem Urlaub geholt und dann mit dem Taxi von Dortmund zu mir nach Dormagen gekommen.
Er war als Disponent in der TP Duisburg beschäftigt.

So gegen 3:00 Uhr morgens kam ,,Paul" ins Krankenhaus, lässig angezogen mit Hoppermütze......ab ins Taxi und dann sagte er, wie es abgelaufen ist und ob ich was Essen möchte......ich verneinte.....es wahr sein erster Einsatz als Betreuer...

Er brachte mich mit dem Taxi nachhause, stellte mir ein Taxischein aus (um das Auto irgendwann von der Est abzuholen) und kam hinein...
Uhrzeit....so halb 5 (von Dormagen zu mir waren es gut 130 Km nachhause - der Taxifahrer freute sich von Dortmund nach Dormagen, dann zu mir nachhause und wieder nach Dortmund)

Nach einem Tag rief mein Teamleiter an, fragte wie es mir geht......wann ich kommen könnte zwecks Stellungnahme, usw.
Gut, ein paar Tage später nach Köln...Stellungnahme abgegeben........Auto mitgenommen.......

Nach ein paar Tagen meldete ich mich bei einer Psychologin der IAS Gruppe, machte ein Termin aus und ging nach ca. zwei Wochen hin...Gespräch wahr i.O.

Es rief leider auch nach ein paar Tagen die Polizei an, ich sollte zu meiner Heimatdienststelle eine Aussage machen, da ich als Zeuge in einem Tötungsermittlungsverfahren wahr......gut, Aussage gemacht, fertig......

Vom 13.05.2014 bis zum 01.08.2014 war ich dann zuhause gewesen, Fußball WM überm Sommer, Grillen, Schwimmen, usw.
Meine Bekannten, Verwandten und Freunde wahren anfangs geschockt, aber da Sie keine Ahnung von der Eisenbahn hatten, war es eine gute
Alternative zum Reden.
Und danach auf der Arbeit mit Kollegen zu reden war auch sehr gut.
Reden hilft! Und ich wollte nichts über den Suizid wissen, kein Name, nichts! Ich habe es gut verkraftet.....

Joa...und ich fahre bis heute wieder :)
 

Treibrad

BF Inspektor
Mitglied seit
22 Oktober 2009
Beiträge
1.626
Punkte
113
Arbeitgeber
XY Pöbeltransport
Einsatzstelle
Friedhof
Doch das gibt es auch bei DB Cargo, ob du es nun glaubst oder nicht...
Verrückte und harte Kerle gibt es überall, aber es ist nicht das Standardprozedere der DB AG.
Wenn man aber der dänischen Krone unterstellt ist...
Tarifvertrag von der EVG oder GDL haben die anscheinend auch nie gehabt, der Laden wird wohl mit harter Hand geführt werden.
 

Schweizkutscher

Ladyversteher
Mitglied seit
7 Juni 2008
Beiträge
4.359
Punkte
113
Arbeitgeber
hab ich
Einsatzstelle
Nicht einsteigen, zurückbleiben bitte.
Beruf
privates EVU
Leute, vielleicht kann mir ja mal einer über den Weg helfen?

Wer eine gesetzliche (also vom Bund erlassenes Gesetz) Grundlage hat, darf die hier gerne posten.
Alles was ich bisher kennenlernen durfte, waren betriebsinterne Regelungen.
Also bitte ganz schnell mit der Maulerei über die so gottlosen Privaten aufhören.

Niemand, wirklich niemand hat gesetzlichen Anspruch auf Krankschreibung nach PU.
Wenn der Doktor das macht, ist es ok, auch was die Länge betrifft.
Was wollt ihr machen, wenn es der Doktor nicht macht? Ein PU ist keine Krankheit, die mit einer Diagnose belegt werden kann.
Und auf der Psychischen Schiene kommt ihr auch nicht weit, wenn man nicht beim Psycho-Doktor war, denn nur diese Gattung Medizinmann hat das Recht euch für psychische Krankheiten aus dem Rennen zu nehmen.
 

Simulant

BF Inspektor
BF Unterstützer
Mitglied seit
18 Juni 2008
Beiträge
1.535
Punkte
113
Arbeitgeber
Transdev Mitteldeutschland
Einsatzstelle
Chemnitz
Spezialrang
BF Unterstützer
Beruf
Triebfahrzeugführer
Das ganze ist auch nicht so einfach in einen Rahmen zu pressen. Einerseits muss man den Leuten gerecht werden, die ihre Auszeit brauchen und nehmen möchten, andererseits die Leute die möglichst schnell eine Verarbeitung haben möchten nicht zu behindern.

Das oder die Patenlösung gibt es nunmal nicht, wir dürfen froh sein dass uns eine individuelle Lösung geboten wird.
 

MD 612

BF Oberrat
BF Unterstützer
Mitglied seit
20 November 2008
Beiträge
3.562
Punkte
113
Standort
Klein Paris
Arbeitgeber
Der Rote Riese
Einsatzstelle
Grubenbahn
Spezialrang
BF Unterstützer
Beruf
Hamsterdompteur und Kollegenvertreter

Schweizkutscher

Ladyversteher
Mitglied seit
7 Juni 2008
Beiträge
4.359
Punkte
113
Arbeitgeber
hab ich
Einsatzstelle
Nicht einsteigen, zurückbleiben bitte.
Beruf
privates EVU
Der PU nicht, aber die mögliche Folge davon. Nennt sich "posttraumatische Belastungsstörung" und wird sehr wohl als Krankheit eingestuft. Diagnose steht so auch auf dem Krankenschein vom Durchgangsarzt (zumindest auf dem Durchschlag für die Krankenkasse).

Gruß Peter
Und genau das zieht dann eine Behandlung beim Psychologen nach sich. Und nur der kann und darf Dir, kraft seiner Ausbildung, dann einen gelben Schein mitgeben. Das kann kein Hausarzt oder Durchgangsarzt machen. Dort bekommst Du im Regelfall nur eine Überweisung, mit Hinweis auf eine mögliche Diagnose.
Der Durchgangsarzt bescheinigt Dir nur eine vorrübergehende Dienstunfähigkeit aus der Schocksituation heraus.
 

MD 612

BF Oberrat
BF Unterstützer
Mitglied seit
20 November 2008
Beiträge
3.562
Punkte
113
Standort
Klein Paris
Arbeitgeber
Der Rote Riese
Einsatzstelle
Grubenbahn
Spezialrang
BF Unterstützer
Beruf
Hamsterdompteur und Kollegenvertreter
Und genau das zieht dann eine Behandlung beim Psychologen nach sich. Und nur der kann und darf Dir, kraft seiner Ausbildung, dann einen gelben Schein mitgeben.
Kann, muss aber nicht. Vielfach hilft ein Gespräch mit dem Bahnpsychologen, ohne eine Therapie einzuleiten. Und wie geschrieben, der Krankenschein kommt mit dieser Diagnose auch vom D-Arzt.

Gruß Peter
 

Schweizkutscher

Ladyversteher
Mitglied seit
7 Juni 2008
Beiträge
4.359
Punkte
113
Arbeitgeber
hab ich
Einsatzstelle
Nicht einsteigen, zurückbleiben bitte.
Beruf
privates EVU
Kann, muss aber nicht. Vielfach hilft ein Gespräch mit dem Bahnpsychologen, ohne eine Therapie einzuleiten. Und wie geschrieben, der Krankenschein kommt mit dieser Diagnose auch vom D-Arzt.

Gruß Peter
Ok, mir war jetzt nicht klar, das ich Gespräch und Behandlung bei Dir nicht gleichsetzen kann. Und ein Bahnpsychologe ist ja auch kein "normaler" Psychologe. :040:

Aber egal was Du schreibst, einen Rechtsanspruch auf Krankschreibung durch PU hast Du immernoch nicht.
Was hinterher an Folgediagnosen kommt, ist eine ganz andere Geschichte.
 

VT605

Super-Moderator
Team BF
Mitglied seit
30 November 2007
Beiträge
10.420
Punkte
113
Arbeitgeber
Fernverkehr
Einsatzstelle
Dortmund
Spezialrang
BF Unterstützer
Beruf
Tf
Die Erstkrankschreibung darf eh nicht der Hausarzt machen da es sich um einen Arbeitsunfall handelt, also zum Durchgangsarzt. Und auch wenn diese einem nicht konkret helfen können, krankschreiben tun sie nach solch einem Ereignis, denn du bist nicht arbeitsfähig. Ein "Recht"auf Krabkschreibung gibts doch eh nicht, entweder du bist arbeitsfähig oder nicht, bei letzterem wirst du krankgeschrieben. Ich weiß das andere EVU das anders handhaben, ich kenne ein EVU da wird nach dem PU sofort zum Bahnarzt gefahren und dieser schreibt krank.
 

Gerd Belo

BF Oberdirektor
BF Unterstützer
Mitglied seit
18 Juni 2008
Beiträge
5.283
Punkte
113
Standort
Berlin-Treptow
Arbeitgeber
Fernverkehr
Einsatzstelle
Berlin
Spezialrang
BF Unterstützer
Beruf
Lokführer
Aber egal was Du schreibst, einen Rechtsanspruch auf Krankschreibung durch PU hast Du immernoch nicht.
Selbst wenn du den Kopf unter dem Arm trägst, es gibt keinen Rechtsanspruch auf Krankschreibung. Das ist immer noch eine Entscheidung der behandelnden Ärzte. Da der Durchgangsarzt in der Regel kein Psychologe ist, wird er dich unfallbedingt krank schreiben und weiter verweisen. In der Regel NICHT zu einem Psychologen sondern zu deinem Hausarzt. Das liegt schlicht und einfach daran, das Psychologen im Regelfall keine medizinische Ausbildung haben und demzufolge gar keine Krankschreibungen vornehmen (dürften). In dem Fall wäre die Anlaufstelle ein Psychater, aber da finde mal einen mit entsprechender psychologischer Ausbildung, der sich zudem mit der Tematik auskennt (Ja, gibt es!).

Gesetzlich geregelt sind Fristen für die Krankschreibung, 6 Wochen (sofern keine Sonderregelung zutrifft) Krankengeld, 6 Monate Geld von der Unfallkasse.....

Letztendlich liegt die Entscheidung bei dem Betroffenen, welche Angebote er war nimmt und was er verkraftet.
 


Oben Unten